Manchmal brauche ich Mut, um etwas loszulassen und Platz zu schaffen für Neues. Manchmal muss ich aber auch hinnehmen, was mir das Leben vor die Füsse legt. 2026 ist für mich beides: Ich entscheide bewusst und ich nehme an, was kommt. Hier sind fünf Dinge, die ich in meinem Leben als Life-Coach und Supervisorin verändere.
1. Ich schliesse das Kapitel als Prüfungsexpertin für die HFP-Beratung ab
Was für eine Aufregung, als ich meine erste HFP‑Prüfung zusammen mit einer erfahrenen Expertin abgenommen habe. Ich war zwar die Prüferin, aber es fühlte sich beinahe so an, als ob ich auch selbst eine Prüfung zu bestehen hätte.
Mehr als 10 Jahre ist es her, seit ich in der ersten Expertenschulung gezielt für die Aufgabe als Prüfungsexpertin (PEX) geschult wurde. Wir haben uns differenziert damit auseinandergesetzt, wie eine kompetenzorientierte Prüfung aussehen sollte. Die Kandidatinnen und Kandidaten sollten eine Bühne erhalten, um ihre Kompetenzen zu zeigen und nachher den begehrten, staatlich geschützten Berufstitel «Beraterin bzw. Berater im psychosozialen Bereich mit eidgenössischem Diplom» tragen zu können.
Seither habe ich mit viel Herzblut diese Aufgabe wahrgenommen und mich in dieser Rolle als Prüfungsexpertin (PEX) als Anfängerin über all die Jahre zur Expertin weiterentwickelt.
Da die Bedingungen geändert wurden, musste ich mich schweren Herzens entscheiden: entweder weiterhin als PEX tätig sein oder Prüflinge auf dem Weg zur HFP vorbereiten. Obwohl ich beides gerne mache, habe ich mich entschieden, als PEX aufzuhören. Stattdessen lege ich meinen Fokus stärker auf die Vorbereitung von Kandidatinnen und Kandidaten. Damit schliesse ich bewusst ein wertvolles Kapitel ab.
Damit ist nicht alles abgeschlossen. Was bleibt, ist enorm wertvoll:
- die bereichernden Fachgespräche mit den Prüflingen, wenn sie erzählten, wie sie arbeiteten und was für sie wichtig ist
- meine Lernerfahrungen und meine Expertise, die ich gewonnen habe, aber auch auszuhalten, dass es nicht allen Prüflingen im ersten Durchgang gereicht hat
- einige tiefe Freundschaften, die sich mit anderen Prüfungsexpertinnen entwickelt haben
- eine grosse Horizonterweiterung, weil ich verschiedenste Beratungsansätze vertiefter kennengelernt habe
- viele tolle und ermutigende Rückmeldungen von Prüflingen, die die Prüfung als wertschätzend und fair erlebt haben

Abschiede fallen mir nicht leicht. Und doch habe ich gelernt: Wenn ich ehrlich hinschaue, weiss ich meist sehr genau, wann etwas abgeschlossen ist. Das Tolle daran ist, dass mit dieser klaren Entscheidung auch wieder Leichtigkeit entsteht und meine Hände frei werden für neue Projekte, wie das von Punkt 2.
2. Ich eröffne ein neues Kapitel als Supervisorin bei «coachingplus»
Als Supervisorin liebe ich es, wenn Menschen über ihre Arbeit reflektieren und dadurch wachsen. Als dann die Anfrage von coachingplus kam, ob ich im Zertifikatslehrgang als Supervisorin zum Team hinzustossen wolle, hat sich das für mich sofort stimmig angefühlt: Ja, das mache ich gerne.
Ab 2026 bin ich als Supervisorin für die Gruppensupervision bei coachingplus tätig. Die Teilnehmenden entwickeln in verschiedenen Lehrgängen ihre Coachingkompetenzen. Der Institutsleitung ist es ein grosses Anliegen, Qualität sichtbar zu machen und mit dem Zertifikatspaket ein klares Zeichen dafür zu setzen.
Spannend ist, dass ich 2005 selbst diesen Lehrgang für angewandtes Coaching bei coachingplus abgeschlossen habe und unglaublich viel für meine persönliche Entwicklung mitnehmen durfte. Damals hätte ich nie gedacht, dass ich heute in einer anderen Rolle wieder Teil von dieser Ausbildungsstätte sein würde. Umso mehr freue ich mich über diese Aufgabe.

Drei Gründe, warum ich Ja gesagt habe:
- Weil ich überzeugt bin, dass Weiterentwicklung dann geschieht, wenn wir unsere Erfahrungen bewusst reflektieren
- Denn Wissen allein genügt nicht; erst die Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten lässt uns wirklich wachsen
- Weil es mir Freude macht, meine langjährige Erfahrung als Supervisorin weiterzugeben, damit Coaches und betriebliche Mentorinnen und Mentoren noch klarer und wirksamer begleiten können
- Und weil die Leitung von coachingplus Werte lebt, die mit meinen übereinstimmen, und ich mit voller Überzeugung hinter diesen Angeboten stehen kann
Ende Januar habe ich mit der ersten Gruppe gestartet. Es war ein angeregter, offener Austausch, und ich freue mich sehr auf die weiteren gemeinsamen Gruppensupervisionen und die Entwicklung, die daraus entstehen darf.

Nicht alle Veränderungen im Leben wählen wir selbst. Eine davon hat mich anfangs Jahr besonders gefordert. Darum geht es im nächsten Punkt.
3. Ich achte auf meine Gesundheit und lebe mit meiner Krebsdiagnose
Von einem Moment auf den anderen kann sich vieles ändern. Es war im Januar. Die Ärztin kam sofort auf den Punkt und konfrontierte mich auf möglichst schonende Art damit, dass ich Gebärmutterkrebs habe und ich behandelt werden müsse. Natürlich ist eine solche Nachricht erst einmal schockierend, nicht nur für mich, sondern auch für meinen Mann und meine Nächsten.
Ich kann mich noch gut erinnern, als mein Mann vor ein paar Jahren auch eine Krebsdiagnose erhalten hatte. Damals fühlte ich mich zuerst, als würde mir der Boden unter den Füssen weggenommen. Aber dieses Mal bin ich selbst betroffen und es fühlte sich anders an. Jetzt gilt es das zu machen, was als Nächstes dran ist, und dann kommt erst der nächste Schritt. Darin übe ich mich gerade und erinnere mich daran, dass ich an einen Gott glaube, der mich hält und mir täglich hilft.
Dieses Jahr stehen darum zusätzliche Untersuchungen und im Februar eine weitere Operation an. Natürlich hoffe ich, dass ich bald geheilt bin. Darum achte ich 2026 besonders gut auf meine Gesundheit, emotional, physisch, aber auch psychisch, damit ich bewusst mit meiner Energie und meinen Rahmenbedingungen umgehe.
Durch diese einschneidende Erfahrung wurde mir nochmals deutlicher bewusst, wie kostbar mein Leben ist, jeden Tag, an dem es mir gut geht. Dafür bin ich extrem dankbar. Mein Morgen beginnt schon länger damit, dass ich mir drei Dinge aufschreibe, wofür ich heute dankbar bin. Meine Herausforderung ist es, nicht jeden Tag dasselbe aufzuschreiben.
Hier sind 100 Dinge beschrieben, wofür ich dankbar bin.

Was ich aus dieser Erfahrung für meine Arbeit mitnehme
- Nur der nächste Schritt zählt
In der Begleitung von Menschen ist es oft entscheidender, den allernächsten Schritt zu klären, statt von Anfang an das grosse Ganze lösen zu wollen. Manchmal reicht es, wenn jemand weiss, was heute dran ist. - Einfach da sein
Als Coach oder Supervisorin muss ich nicht immer Antworten haben. Manchmal ist das Wertvollste, dass ich die Unsicherheit meiner Klientinnen und Klienten mit ihnen aushalte, ohne vorschnell zu trösten oder Lösungen anzubieten. - Echtsein verbindet
Meine eigene Erfahrung mit Krankheit und Angst hat mir gezeigt, wie wichtig echte Begegnung ist. Ich gehe noch bewusster in Resonanz mit den Menschen, die ich begleite, und scheue mich nicht, auch meine eigene Menschlichkeit zu zeigen. - Was wirklich zählt
Die Auseinandersetzung mit meiner Endlichkeit hat meinen Blick geschärft für das, was wirklich zählt. Diese Haltung prägt auch meine Arbeit: Ich helfe Menschen dabei, das Wertvolle in ihrem Leben bewusster wahrzunehmen. - Spiritualität als Ressource würdigen
Mein Glaube trägt mich in schweren Zeiten. Das hat mir nochmals verdeutlicht, wie wichtig es ist, spirituelle Ressourcen meiner Klientinnen und Klienten wertschätzend einzubeziehen.
Gut für mich zu sorgen bedeutet nicht nur, auf meinen Körper zu achten. Es heisst auch, mir Räume fürs Lesen, Lernen und Weiterdenken zu schaffen, weil mich das belebt und inspiriert.
4. Ich gebe Büchern und der Weiterbildung 2026 mehr Raum
Obwohl ich das Wort «autodidaktisch» als Kind noch gar nicht kannte, liebte ich es schon damals, per Fernkurs etwas zu lernen. Die Freude am Lernen ist geblieben. Sie hält mich lebendig und hilft mir als Coach und Supervisorin, andere noch besser zu begleiten.
Anfang des Jahres nutzte ich eine ruhige Phase, um mich ungestört einem Thema zu widmen. Ich genoss es, bei einem Online-Workshop mitzumachen, und startete mit der Online-Therapie-Reihe «Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist die Lösungssicht» mit Manfred Prior. Diese Form von Weiterbildung liebe ich: frühmorgens eine Lektion schauen, mitdenken, mitschreiben, zurückspulen oder zwischendurch eine Pause machen und zusammen mit meinem Mann «zmörgele». Perfekt für mich.
Im Kurs ging es um eine Methode, mit der man Themen, die Klienten einbringen, besser verstehen kann, weil man sie grafisch festhält. Damit habe ich in meiner Praxis schon lange gute Erfahrungen gemacht. Durch den Kurs konnte ich nochmals vertieft hinschauen und Neues dazulernen.
Auch Bücher sind für mich eine wichtige Form der Weiterbildung. Den Anfang gemacht haben:
- Chris Paul – Ich lebe mit meiner Trauer
Dieses Buch hat mein Verständnis für Trauerprozesse erweitert und verändert. - Friedemann Schulz von Thun – Erfülltes Leben
Sein einfaches Modell mit fünf Feldern für mehr Sinnerfüllung hat mich sehr angesprochen. Ich konnte es bereits als Selbsterfahrung nutzen. Vorausgegangen war ein Vortrag von ihm. Seine ehrliche, klare Art hat mich damals sehr beeindruckt.
Im Laufe des Jahres folgen weitere Bücher. Wichtig ist mir, dass das kein Pflichtprogramm wird, sondern Vergnügen bleibt. Ich erlaube mir bewusst Zeiten zum Lesen; nicht weil ich sollte, sondern weil Lesen und Lernen mich inspirieren und meinen Blick weiten und mich verändern. Letztlich kommt es jedoch nicht nur mir zugute, sondern auch meinen Klientinnen und Klienten. 2026 gebe ich Büchern und Weiterbildung bewusst Raum.
5. Meine Kreativität darf täglich sichtbar sein
Kreativität – damit meine ich, kreativ zu denken und zu handeln – ist für mich eine zentrale Ressource. Nicht nur in meinem eigenen Leben. Es ist auch ein wichtiger Schlüssel in der Beratung. Sie eröffnet neue Möglichkeiten, hilft beim Wachsen und macht Entwicklung überhaupt erst lebendig.
Darum ist es mir wichtig, als Coach und Supervisorin Räume zu schaffen, in denen kreatives Denken möglich wird. Sei es im Life-Coaching bei persönlichen Themen, in Phasen der Neuorientierung oder in der Kompetenzentwicklung, Lehrsupervision und Begleitung zur höheren Fachprüfung (HFP).

Meinen «Kreativitätsmuskel» pflege ich bewusst auf unterschiedliche Weise:
- Ich entwickle neue Impact-Techniken
Impact-Techniken sind erlebnisorientierte Methoden, die mit einfachen Mitteln tiefe Einsichten ermöglichen. Ich liebe sie, weil sie oft einen Aha-Moment auslösen und Dinge nicht nur verstanden, sondern im wahrsten Sinne des Wortes begriffen werden. - Ich bin floristisch kreativ
Floristik ist meine bevorzugte Art, kreativ zu sein. Jede Blume, jede Pflanze ist anders, jedes Arrangement einzigartig. Genau wie die Menschen, die ich begleite. Auch sie sind eingeladen, ihre ganz eigenen Lösungen zu entwickeln. - Ich bleibe neugierig und im Austausch
Meine Kreativität wird durch andere Menschen beflügelt. Wenn ich mich austausche, andere Meinungen und Erfahrungen höre, erweitert das meinen Horizont und lässt mich kreativer werden. Darum pflege ich Beziehungen und nutze regelmässig den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen. Weiterhin gehören dazu auch Dinge wie Lernen (siehe Punkt 4), bei einem Gospelchorprojekt mitmachen, neue Erfahrungen sammeln oder das bewusste Verlassen meiner Komfortzone.
All das ist für mich mehr als ein Ausgleich. Es schenkt mir Freude, bringt mich in den Flow und fühlt sich nach Leichtigkeit an. Und genau diese Haltung fliesst auch in meine Arbeit ein.
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ist Life Coach, psychosoziale Beraterin HFP, Supervisorin und Mutmacherin aus Wettswil am Albis (Schweiz).
Seit über 30 Jahren begleitet sie Frauen und Fachpersonen im Bereich Coaching und psychosozialer Beratung dabei, ihr Leben und ihre Arbeit mutig, klar und echt zu gestalten – sei es in der Persönlichkeitsentwicklung, bei einer Neuorientierung oder in der beruflichen Weiterentwicklung. Sie liebt es, wenn Augen zu leuchten beginnen und Klarheit entsteht. Ihr Ansatz ist kreativ, integrativ und geprägt von Herzlichkeit und Tiefgang.
«Gschtalt dis Läbe! Muetig, ächt und lebändig.»
Mehr über mich erfährst du hier!

Liebe Esther, ich wünsche Dir viel Kraft und eine gute und schnelle Genesung!
Ich habe neulich von einer anderen Supervisorin gelesen, dass ihr „wichtigstes tool“ ist, ihren Klienten den Raum zu geben. Raum, Zeit und Präsenz. Bei Dir kam jetzt noch die Resonanz so deutlich hervor – das finde ich so schön und wichtig, für beide Seiten. Die Erfahrung mache ich im Elterncoaching und erfahre im Feedback, wie unterstützend ratsuchende Eltern genau diesen Raum der Resonanz empfinden.
Herzliche Grüße, Sona
Danke, liebe Sona, für die Rückmeldung und die guten Wünsche.
Auch dir wünsche ich weiterhin gute Erfahrungen bei deiner Aufgabe.
Liebe Grüsse
Esther
Du beschreibst sehr offen und ehrlich deine Prozesse, die dich gerade bewegen. Und das auf eine Weise, die mich sofort mitfühlen lässt. Ich wünsche dir für deine Krebserkrankung eine rasche und vollständige Genesung. Toll, wie offen du damit umgehst. Der NL ist rund und ansprechend!
Ich hätte nur einen Punkt, der mir das Lesen erleichtert hätte. Du hast relativ lange Textpassagen. Ein paar mehr Absätze oder auch ein paar mehr Bilder hätten es für mich lockerer und leichter gemacht. Ich befürchte, dass sonst ein paar Leser irgendwann abbrechen.
Liebe Nicole
Danke herzlich für deine guten Wünsche, dein Feedback und die Anregungen. Letztere nehme ich gerne auf und füge noch etwas Auflockerndes ein.
Liebe Grüsse
Esther