In diesem Glossar für Persönlichkeitsentwicklung greife ich einige der wichtigsten Aspekte auf, die mir als Life Coach immer wieder begegnen. Wenn wir uns persönlich weiterentwickeln, machen wir viele neue Erfahrungen und kommen auf unserer Reise an den meisten dieser 28 aufgelisteten Themen irgendwann vorbei.

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist die Fähigkeit, ganz im gegenwärtigen Moment zu leben. Achtsamkeit ist ein wichtiger Schlüssel zu mehr Zufriedenheit. Erst wenn wir achtsam sind, können wir bewusst wahrnehmen, was wir denken, fühlen, glauben und tun, ohne es zu bewerten. Sehr oft haben wir die Tendenz, in Vergangenem zu schwelgen oder uns in Zukunftsgedanken zu verlieren. Das Leben findet jedoch nur in der Gegenwart statt. Genau diesen Moment können wir bewusst wahrnehmen, erleben und gestalten. Die Fähigkeit, achtsam zu sein, können wir lernen. Bestimmt warst du auch schon einmal zu Fuss mit einem kleinen Kind unterwegs und hast miterlebt, wie es plötzlich ein Steinchen, eine Schnecke oder ein Blatt sieht und aufhebt. Es vergisst alles um sich herum, ist ganz achtsam im Moment, weil nur das, was es gerade jetzt in den Händen hält, zählt.

 

Autonomie

Autonomie bezeichnet einen Zustand der Selbstbestimmung. Wollen wir nicht alle innerlich frei sein und selbstbestimmt entscheiden und im Einklang mit unseren eigenen Werten handeln können? Wir wollen nicht fremdbestimmt oder wie Marionetten sein, die nur die Erwartungen anderer zu erfüllen haben, oder? Ich mag es gar nicht, wenn jemand mir vorschreiben will, wie ich zu denken oder zu fühlen habe. Diese Autonomie oder Freiheit bedeuten natürlich nicht, dass wir nicht auch Werte, Meinungen und Ideen anderer respektieren können. Vielmehr, dass für uns ein möglichst grosser Freiraum für unsere Entscheidungen und Handlungen entsteht, um dann selbstverantwortlich aus einer inneren Freiheit heraus handeln zu können.

 

Beziehungen

Persönlichkeitsentwicklung geschieht immer in Beziehungen. Der Religionsphilosoph Martin Buber meinte: „Der Mensch wird am Du zum Ich“. Er geht davon aus, dass wir Menschen unsere Identität in Relation zu unserem Umfeld bilden. Eines der Grundbedürfnisse von uns Menschen ist es, sich mit anderen Menschen verbunden zu fühlen und Nähe und Vertrauen in unseren sozialen Beziehungen zu erleben. Auch wenn nicht alle Menschen dazu gleich viele Kontakte benötigen, ist es doch eine Tatsache, dass wir alle als Beziehungswesen geschaffen worden, sind und andere Menschen brauchen. Wie wir diese Beziehungen hilfreich gestalten und dadurch positiv erleben können, ist ein grosses Thema in der Persönlichkeitsentwicklung.

 

Bindungsstufen

Dr. Gordon Neufeld ist kanadischer Entwicklungspsychologe und beschreibt sechs Bindungsstufen, die für eine gelingende emotionale und psychologische Reife-Entwicklung wichtig sind.

  • Stufe 1: Bindung über die Sinne (im 1. Lebensjahr)
  • Stufe 2: Bindung über Gleichheit (ab dem 2. Lebensjahr)
  • Stufe 3: Bindung über Zugehörigkeit und Loyalität (ab dem 3. Lebensjahr)
  • Stufe 4: Bindung über die Bedeutsamkeit/Wertschätzung (ab dem 4. Lebensjahr)
  • Stufe 5: Bindung über Emotionen, Liebe (ab dem 5. Lebensjahr)
  • Stufe 6: Bindung über Vertrautheit (ab dem 6. Lebensjahr)

Obwohl hauptsächlich in den ersten 6 Lebensjahren die Bindung entwickelt wird, ist es auch später möglich, sie weiterzuentwickeln. Dies geschieht in einem Prozess und ist nicht von heute auf morgen möglich.

Charakter

Der Begriff Charakter umfasst alle Eigenschaften, die unser Verhalten als Menschen bestimmen. Es ist wie ein persönlicher Fingerabdruck, der unsere Einzigartigkeit zeigt und uns gleichzeitig von anderen unterscheidet. Charles Reade, englischer Schriftsteller (1814–1884) hat in dem bekannten Gedicht den Weg zum Charakter so dargestellt:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Fingerabdruck in Herzform

Unsere Persönlichkeit ist wie ein einzigartiger Fingerabdruck

 

Denkmuster

Im Laufe unseres Lebens haben wir uns Denkmuster angeeignet. Diese Denkmuster oder Glaubenssätze sind uns so vertraut, dass wir sie kaum wahrnehmen. Sie haben jedoch einen gewaltigen Einfluss auf uns und unsere Entwicklung. Sie prägen nicht nur uns, sondern auch die Art und Weise, wie wir uns in Beziehungen, aber auch im Berufsalltag einbringen. Denkmuster können sehr hilfreich sein, uns aber auch lähmen oder im Alltag behindern. Ein wichtiger Aspekt bei der Persönlichkeitsentwicklung ist darum, diese Denkmuster aufzudecken und sich bewusst zu machen. Es ist möglich, dass wir schädliche oder behindernde Denkmuster verändern, auch wenn das nicht von heute auf morgen geht. Wir müssen nicht jedem Gedanken glauben. Vielmehr können wir uns fragen, warum wir davon so überzeugt sind, ob es wirklich stimmt oder ob es auch ganz anders sein könnte.

Emodiversität

Emodiversität beschreibt die emotionale Vielfalt oder Gefühlsvielfalt eines Menschen.
Menschen mit hoher Emodiversität können ihre Emotionen differenziert wahrnehmen und benennen. Dabei geht es darum, sowohl angenehme als auch unangenehme Gefühle in ihrer ganzen Bandbreite zu erleben.
Je vielfältiger wir Emotionen wahrnehmen, desto besser können wir verstehen, was in uns oder anderen vorgeht und entsprechend darauf reagieren.
Menschen mit hoher Emodiversität sind deshalb tendenziell psychisch stabiler und zufriedener.

Empathie

Empathische Personen sind Menschen mit viel Einfühlungsvermögen. Gehörst du auch zu denen, die ein Gespür für die Gefühle deiner Mitmenschen haben? Bist du fähig, dich in andere, in ihre Gedanken- und Gefühlswelt hineinzuversetzen und die Welt mit ihren Augen zu sehen? Dann ist deine Empathie ausgeprägt.

Empathie ermöglicht uns, besser zu verstehen, was in anderen Menschen vorgeht. Auch wenn wir sehr oft feststellen, dass unsere eigene Sicht auf die Dinge völlig anders ist, meint Empathie nicht, dass wir unsere eigene Meinung verleugnen müssen. Wir können sehr einfühlsam sein und etwas vollkommen anders fühlen und trotzdem das Erleben des Gegenübers nachfühlen. Die Fähigkeit der Empathie ist darum so wertvoll, weil sie uns hilft, angemessen auf andere Menschen zu reagieren.

 

Embodiment

Embodiment meint auf Deutsch: Verkörperung. Jede Erfahrung, jede Erinnerung sind in unserem Körper abgespeichert und bilden mit unseren Emotionen eine Einheit. Antonio Damasio spricht von Körpersignalen, bzw. verkörperten Gefühlen, und hat diese als Somatische Marker bezeichnet. Er geht davon aus, dass alle emotionalen Erfahrungen in unserem Körper verankert werden. Umgangssprachlich verstehen wir darunter das Bauchgefühl. Die Wirkung von einer Körperhaltung auf unsere Gefühle können wir ganz einfach selbst erleben. Wir können z. B. zuerst eine Minute lang eine «deprimierte Körperhaltung» einnehmen und in dieses Gefühl eintauchen; Kopf hängen lassen, Schultern nach vorn kippen, in sich zusammensacken etc. Dann können wir die Haltung verändern und so tun, als ob es uns blendend gehen würde; wir richten uns auf, haben eine angenehme Körperspannung, wache Augen etc. Ist es nicht erstaunlich, wie wir sofort spüren, wie sich ein eindrücklicher Zusammenhang zwischen Körperempfindung und zugehöriger Emotion zeigt?

 

Emodiversität

Emodiversität beschreibt die emotionale Vielfalt oder Gefühlsvielfalt eines Menschen.
Menschen mit hoher Emodiversität können ihre Emotionen differenziert wahrnehmen und benennen. Dabei geht es darum, sowohl angenehme als auch unangenehme Gefühle in ihrer ganzen Bandbreite zu erleben.
Je vielfältiger wir Emotionen wahrnehmen, desto besser können wir verstehen, was in uns oder anderen vorgeht und entsprechend darauf reagieren.
Menschen mit hoher Emodiversität sind deshalb tendenziell psychisch stabiler und zufriedener.

 

Emotionen

Jede Entwicklung ist mit Emotionen verbunden; darum ist es unerlässlich, einen Zugang zu unseren Emotionen und Gefühlen zu gewinnen. Hinter der ganzen Gefühlspalette von Freude, Wut, Ekel, Trauer, Verachtung, Angst und Überraschungen stecken nämlich viele Informationen über uns. Je mehr wir Emotionen zulassen, statt sie zu verdrängen, umso besser können wir erkennen, was in uns abläuft. Das bewahrt uns davor, unsere Emotionen auf andere zu projizieren. Emotionen und Gefühle in ihrer ganzen Breite (siehe Emodiversität) bewusst wahrzunehmen, ist die Voraussetzung, um sie besser steuern zu können. Emotionen sind ein Ausdruck von grosser Lebendigkeit. Sie sind wie eine Tür, die uns den Zugang zu unseren Bedürfnissen öffnet. Wenn wir unsere emotionale Kompetenz stärken, gewinnen wir eine zentrale Fähigkeit, uns selbst besser zu verstehen, angemessen für uns einzutreten und uns im Leben aktiv einzubringen. Erfreulicherweise können wir alle lernen, hilfreich mit Emotionen umzugehen und sie als wertvolle Ressource zu nutzen.

Emotionen-ABC Smileys auf einer Pflanze

Mit diesem Emotionen-ABC kannst du deinen emotionalen Wortschatz erweitern und dadurch ein besseres Verständnis für deine Gefühle entwickeln.

Emotionale Intelligenz

Emotionale Intelligenz umfasst die Fähigkeit, unsere eigenen Gefühle und diejenigen der anderen,

  • zu erkennen
  • zu verstehen und
  • positiv zu beeinflussen.

Laut dem Psychologen Daniel Goleman umfasst es fünf zentrale Fähigkeiten:

  • Selbstwahrnehmung – die eigenen Emotionen erkennen und benennen können
  • Selbstregulierung – Impulse und Gefühle bewusst steuern
  • Motivation – sich selbst antreiben, Ziele verfolgen und Rückschläge überwinden
  • Empathie – die Gefühle anderer erkennen und verstehen
  • Soziale Kompetenz – gelingende Kommunikation, Beziehungspflege und Konfliktlösung

Der Umgang mit unseren Emotionen spielt die Schlüsselrolle für unser Wohlbefinden. Daher ist es entscheidend wichtig, den Nutzen und die Funktion von Emotionen zu kennen.

Entscheidungen

Das Leben besteht aus einer Vielzahl von Entscheidungen. Sie bestimmen letztlich die Richtung unseres Lebens. Es gibt Menschen, denen es sehr schwerfällt, sich zu entscheiden, und sie schieben ihre Entscheidungen ständig heraus oder geben sie ab.

Keine Entscheidungen treffen, ist auch eine Entscheidung; nämlich die, andere Menschen oder Umstände für dich entscheiden zu lassen!

Wenn wir versuchen, die Verantwortung abzugeben, werden wir jedoch zu Opfern der Erwartung oder Meinung anderer oder auch von Gewohnheiten, die nicht hilfreich sind. Nicht nur das, wir verlieren zudem auch unsere Gestaltungsmöglichkeiten und damit ein Stück Freiheit. Die grosse Herausforderung, die wir beim Thema Entscheidungen treffen erleben, ist die Tatsache, dass wir bei jedem JA zu etwas, ein NEIN zu etwas anderem sagen müssen. Darum ist es so wichtig zu lernen, wie wir Entscheidungen treffen können, die ganz zu uns und unserer Situation passen. Das bedingt, dass wir erkennen, welche Werte oder Überzeugungen uns dabei leiten.

 

Grenzen

Grenzen schützen uns und helfen uns zu erkennen, wo etwas beginnt und wo etwas aufhört. Wenn z. B. jemand an meine Wohnungstüre kommt, dann ist die Haustüre eine natürliche Grenze. Hier kann ich entscheiden, wen ich hineinlassen möchte oder wen eben nicht. Genauso, wie wir äussere und körperliche Grenzen haben, gibt es in uns auch innere Grenzen: psychische oder emotionale Grenzen. Wir können lernen, diese wahrzunehmen und dann bewusst zu vertreten. Wenn Grenzen verletzt werden, bewirkt das sehr oft Scham. Mehr dazu habe ich im Blogbeitrag «Scham, die tabuisierte Emotion» beschrieben. Wir alle brauchen Grenzen, sonst fehlt uns die Orientierung. Manchmal dürfen wir jedoch auch lernen, Grenzen zu erweitern, weil sie übertrieben sind und einengen oder nicht mehr zu unserer aktuellen Situation passen.

Impathie

Impathie ist die Fähigkeit, sich in sich selbst einzufühlen. Hinter dieser Kompetenz steht die Frage, wie wir die Beziehung zu uns selbst gestalten. Während Empathie, die Fähigkeit beschreibt, sich in andere Menschen einzufühlen, richtet sich der Fokus bei Impathie auf unsere Beziehung zu uns selbst. (Empathie mit sich selbst oder introversive Impathie könnte man diese Kompetenz auch nennen.)

Dr. Stefanie Neubrand, Psychologin und Wissenschaftlerin, forscht seit über 10 Jahren in Basel und Zürich in diesem neuen Forschungsfeld. Sie hat das psychologische Konzept der Impathie entwickelt und zum Thema ihrer Dissertation gemacht. Sie meint:

Bei der Impathie geht es darum, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse mit einer annehmenden Haltung wahrzunehmen und zu verstehen, anstatt sie zu ignorieren oder zu unterdrücken.

Was ist Impathie und warum ist sie so wichtig?

Krise

Eine Krise erleben wir dann, wenn wir auf die Herausforderung, die das Leben an uns stellt, mit unseren Ressourcen und Möglichkeiten nicht mehr angemessen reagieren können. Viele nehmen Veränderungen als Krise wahr, auch wenn sie unserer Weiterentwicklung dient. Mir gefällt das chinesische Schriftzeichen für Krise, das sich aus den zwei Zeichen, Problem und Chance, zusammensetzt. Damit werden beide Aspekte einer Krise beleuchtet. Einerseits das Problem oder die Herausforderung und andererseits die Chance, die eine Krise beinhalten kann. Meine Überzeugung ist, dass Krisen jedermann treffen können und Herausforderungen zu unserem Leben gehören. Mit jeder Krise, die wir bewältigt haben, sind wir ein Stück weit gereift und in unserer Persönlichkeit gewachsen.

Schriftzeichen chinesisch für Krise

Das chinesische Zeichen für Krise beinhaltet sowohl die Wörter Problem und Chance

 

Komfortzone

Im Laufe unseres Lebens schaffen wir uns eine Komfortzone. Hier kennen wir uns aus und unsere Verhaltensmuster sind uns vertraut. Die Grenze dieser Komfortzone haben wir aus unseren Erfahrungen, Glaubenssätzen, Werten und Überzeugungen gebildet. Egal, ob diese immer hilfreich sind oder nicht, aber hier fühlen wir uns trotzdem irgendwie relativ sicher. Sobald wir diese Komfortzone verlassen, werden wir mit unseren Ängsten konfrontiert. Darum erleben viele die Persönlichkeitsentwicklung als schwierig, weil sie aus ihrer Komfortzone heraustreten müssen, um in die Entwicklungszone zu gelangen. Viele schrecken davor zurück, weichen lieber aus oder verdrängen es, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Mehr dazu habe ich in meinem Blogbeitrag: Vor- und Nachteile von Persönlichkeitsentwicklung geschrieben.

3 Kreise, die Entwicklungszonen beschreiben

Persönlichkeitsentwicklung fordert uns manchmal heraus, die Komfortzone zu verlassen

 

Kommunikation

Ob uns das angenehm ist oder nicht; wir stehen jederzeit im Austausch mit unseren Mitmenschen. Wir haben sehr vielfältige Möglichkeiten, uns mitzuteilen. Dies geschieht sowohl auf der Sachebene als auch auf der Beziehungsebene. Wir kommunizieren verbal, mit Worten oder all den Signalen, die wir hören können. Wir drücken uns auch nonverbal aus. Das sind Gesten, Mimik oder eben alles, was wir sehen können. Zusätzlich kommunizieren wir paraverbal über die Stimme und den Tonfall. Wenn z.B. die Körpersprache nicht zu den Worten passt, erleben wir das als inkongruent, und glauben den nonverbalen Signalen viel stärker als den verbalen. Ist unsere Kommunikation gut und wirksam? Kommunizieren wir offen, transparent, persönlich, glaubwürdig und authentisch? Das sind Fragen, die wir in der Persönlichkeitsentwicklung oft thematisieren.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“ Paul Watzlawick

 

Konflikte

Konflikte gehören zu unserem Leben und haben viele Gesichter. Allen gemein ist, dass bei einem Konflikt unterschiedliche Einstellungen, Meinungen, Interessen oder Erwartungen aufeinandertreffen.

  • Wertekonflikte entstehen dann, wenn uns zwei Werte gleich wichtig sind. Z.B. könnte ein Wertekonflikt oder Dilemma einer introvertierten Person sein, dass sie für ihre Arbeit stark beachtet werden will, aber gleichzeitig, möchte sie nicht die ganze Zeit im Mittelpunkt oder Rampenlicht stehen.
  • Ein Loyalitätskonflikt erleben wir dann, wenn wir eine Entscheidung treffen möchten, aber denken, dass diese für die betroffene Person als illoyal empfunden werden könnte.
  • Konflikte in Beziehungen, in Arbeitsgruppen oder ganz einfach überall dort, wo wir mit Menschen zusammen sind, können wir nicht verhindern, dass sie uns begegnen.

Statt Konflikte zu verdrängen, können wir lernen, sie frühzeitig zu erkennen und zu entscheiden, wie wir mit ihnen hilfreich umgehen können. Konfliktfähigkeit ist ein wichtiger Schlüssel in der Persönlichkeitsentwicklung.

 

Lebensphasen

In unserem Leben durchlaufen wir verschiedene Lebensphasen. Jede dieser Phasen, bzw. jedes Lebensalter hat viele Chancen. Sie hat aber auch eine ganz spezifische Herausforderung und Problematik, die sie an uns Menschen stellt. Es ist genauso wichtig, in jeder dieser Lebensphasen verwurzelt zu sein, wie auch aus ihr heraus wachsen zu können. Erst dann können wir erfolgreich in die nächste Lebensphase gelangen. Das Modell „Biografische Lebensphasen“ zeigt auf, dass die Entwicklung über verschiedene Reife-Stufen erfolgt und immer mit Veränderungen verbunden ist.

Grafik von Lebenshpahsenmodell

Das „Biografische Lebensphasenmodell“ geht davon aus, dass unser Leben in verschiedenen Phasen verläuft.

 

Motivation

Motivation ist eine Kraft, die uns zu einem bestimmten Verhalten veranlasst. Grundsätzlich entscheiden wir zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Bei der intrinsischen Motivation werden wir von innen heraus motiviert, weil uns eine Handlung sinnvoll, angenehm oder lohnenswert erscheint. Im Gegensatz dazu kommt bei der extrinsischen Motivation der Anreiz oder eine versprochene Belohnung von aussen. Je mehr positive Gefühle unsere Motivation auslösen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir etwas umsetzen und ins Handeln kommen.

Negativitätsbias

Der Negativitätsbias beschreibt unsere angeborene Tendenz, negative Erlebnisse, Informationen oder Gefühle stärker zu gewichten, schneller wahrzunehmen und besser zu erinnern als positive. Man geht davon aus, dass unser Gehirn so programmiert ist, Gefahren und Bedrohungen intensiver wahrzunehmen. Diese evolutionäre Überlebensmechanismus war sinnvoll: Wer die Gefahren besser im Blick behielt, überlebte.

In unserer heutigen Welt führt dieser Mechanismus jedoch oft zu einer verzerrten Wahrnehmung. Wir fokussieren uns auf Probleme, während positive Aspekte verblassen. Wir grübeln über Fehler, während wir Erfolge als selbstverständlich abtun. Ein einziger kritischer Kommentar kann noch lange haften bleiben, während viele wertschätzende Rückmeldungen verblassen.

Die gute Nachricht: Wir können diesem automatischen Muster bewusst entgegenwirken. Wenn wir verstehen, dass unser Gehirn wie ein Magnet für negative Erfahrungen funktioniert, können wir gezielt gegensteuern. Indem wir positive Momente aktiv suchen, bewusst wahrnehmen und sie gedanklich oder in einem Dankbarkeitstagebuch festhalten, trainieren wir unser Gehirn um. So schaffen wir eine realistischere Sicht auf unser Leben – ohne die Herausforderungen zu ignorieren, aber auch ohne die schönen Momente zu übersehen.

 

Resilienz

Bewundern wir nicht alle, diejenigen Menschen, die mit schwierigen Umständen, Konflikten und Herausforderungen leichter umgehen können und nicht daran zerbrechen? Sie halten den Herausforderungen des Lebens nicht nur stand, sondern wachsen sogar daran. Diese innere Widerstandskraft nennt man Resilienz. Es ist die Fähigkeit eines Menschen, optimal mit herausfordernden Situationen im Leben, wie Lebenskrisen, Misserfolgen, Schicksalsschlägen oder Niederlagen umgehen zu können. Micheline Rampe zeigt 7 Säulen auf, auf denen diese Fähigkeit beruht.

  1. Optimismus
  2. Akzeptanz
  3. Lösungsorientierung
  4. Opferrolle verlassen
  5. Verantwortung übernehmen
  6. Netzwerkorientierung
  7. Zukunftsplanung

 

Selbstannahme

Selbstannahme ist die Fähigkeit, sich ohne Wenn und Aber anzunehmen. Das ist ein Prozess, der oft nicht von heute auf morgen geschieht. Es bedeutet, dass wir lernen, uns selber zu akzeptieren, und zwar mit

  • all unseren Stärken und Talenten,
  • unseren Möglichkeiten, aber auch eigenen Grenzen,
  • Schwächen oder Einschränkungen, die wir haben,
  • unserer Lebensgeschichte, den schmerzhaften und erfreulichen Zeiten,
  • unseren Erfahrungen, den guten, aber auch den negativen,
  • den Fehlern oder Fehlentscheidungen, die wir getroffen haben, genauso wie mit all dem, was wir gut entschieden und gemacht haben.

Sich und seine Geschichte anzunehmen, ist ein Schlüssel für die Persönlichkeitsentwicklung. Ich erlebe immer wieder, wie es im Life Coaching leichter und entspannter wird, wenn meine Coachees lernen, sich selber wertschätzend zu begegnen und aufhören, gegen sich selber anzukämpfen oder etwas zu verdrängen. Beim Thema Selbstannahme stütze ich mich auf meine tiefe Überzeugung, dass jeder Mensch von Gott, unserem Schöpfer, 100%ig angenommen und geliebt ist. Also spricht für mich alles dafür, dass auch wir lernen dürfen, uns selber anzunehmen. 

 

Selbstreflexion

Selbstreflexion ist eine geniale Fähigkeit, die nur wir Menschen haben. Dadurch ist es möglich, aus der Distanz heraus auf uns selber zu schauen. Mit dieser Aussenperspektive können wir beobachten, wie wir handeln, was wir denken, fühlen, glauben und wie wir uns verhalten. Durch Selbstreflexion erkennen wir, wenn wir etwas anpassen, in eine neue Richtung bringen oder korrigieren wollen. Letzteres ist dann sinnvoll, wenn unser Leben nicht mehr mit dem übereinstimmt, was uns wichtig ist, wenn wir in Beziehungen immer wieder anecken oder uns bei bestimmten Themen im Kreise drehen. Natürlich kann Selbstreflexion auch übertrieben werden. Dann gilt wohl der Spruch: «Wer sich ständig um sich selber dreht, dreht irgendwann durch.»

 

Selbstwertgefühl

Ein gutes, stabiles Selbstwertgefühl haben wir dann, wenn wir uns wertvoll fühlen; eine innere Sicherheit, Freude bzw. Zufriedenheit haben und offen sind für das Leben. Wir erwarten, dass wir von anderen geliebt und gut behandelt werden. Gemäss der Diplom-Psychologin Frauke Niehues geht ein mangelndes Selbstwertgefühl hingegen mit Gefühlen von Minderwertigkeit, Angst, Scham einher. Es führt dazu, dass wir denken, nichts wert zu sein. Viele erwarten dann, schlecht behandelt zu werden. In der Persönlichkeitsentwicklung steht das Thema Selbstwert immer wieder im Fokus. Dabei werden ganz unterschiedliche Facetten gestreift, wie Selbstwert als Grundgefühl, Selbstwirksamkeit, Selbstbewusstsein, Bewusstsein über seine Fähigkeiten, Selbstakzeptanz, Selbstsicherheit, Selbststeuerung etc.

 

Selbstwirksamkeit

Selbstwirksamkeit ist die Fähigkeit, dank der wir uns wirksam erleben und unsere eigenen Stärken erfolgreich einsetzen können. Wenn das geschieht, fühlen wir uns nicht ohnmächtig, sondern erleben uns als kompetent. Dieses Wissen und Erleben sind ein wichtiger Schlüssel, um einen positiven Selbstwert aufzubauen. Damit wir uns selbstwirksam erleben, kann es notwendig sein, dass wir uns Fähigkeiten aneignen müssen, sei es z. B. Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungsvermögen oder auch Fachwissen zu einem bestimmten Thema.

 

Selbstzweifel

Selbstzweifel gehören zu den treuesten Begleitern auf dem Weg der Persönlichkeitsentwicklung – auch auf meinem. Sie melden sich, wenn wir an uns, unseren Fähigkeiten oder an unseren Entscheidungen zweifeln. Gedanken wie «Bin ich gut genug?» oder «Kann ich das überhaupt?» kennen viele. Oft entstehen sie aus Erfahrungen, in denen wir uns unsicher, kritisiert oder nicht gesehen fühlten. Auch der Vergleich mit anderen oder zu hohe Erwartungen an uns selbst können sie verstärken.

Ich sehe Selbstzweifel heute differenzierter als früher. Sie sind nicht grundsätzlich schlecht. Sie zeigen mir, dass mir etwas wichtig ist – und dass ich mir (noch) nicht ganz sicher bin, ob ich es schaffen kann. In solchen Momenten helfen sie mir, innezuhalten, zu reflektieren und achtsam zu handeln.

Schwierig wird es, wenn sie zu laut werden und mich blockieren, anstatt mich zu begleiten. Dann rauben sie Energie, Freude und Leichtigkeit – und hindern mich daran, Neues zu wagen.

Persönlich habe ich gelernt: Mut bedeutet nicht, keine Selbstzweifel zu haben. Mut bedeutet, trotz Zweifel loszugehen.
Mehr dazu erzähle ich in meinem Blogartikel über Selbstzweifel

Spiegelneuronen

Spiegel auf Ständer auf Platte

Zu fühlen, was andere fühlen; dabei helfen uns Spiegelneuronen.

Spiegelneuronen sind der Grund, warum wir etwas fühlen können, was unser Gegenüber fühlt. Hinter dem Geheimnis der Spiegelneuronen stehen Nervenzellen in unserem Gehirn. Sie sorgen für dieses Resonanzphänomen. Automatisch werden sie aktiviert, wenn wir uns in Gegenwart von anderen Menschen befinden. Wie das Wort Spiegelneuronen schon andeutet, rufen sie in uns spiegelbildlich Gefühle, Stimmungen oder Körperempfindungen unseres Gegenübers wach. Das bedeutet, dass wir intuitiv verstehen, spüren oder erleben können, was andere fühlen oder können. Es ist sogar möglich, Schmerz oder Freude anderer mitzuempfinden. Deshalb ist z. B. Gähnen so ansteckend, genauso aber auch eine negative Stimmung. An dieser Stelle mein Buchtipp von Joachim Bauer: Warum ich fühle, was du fühlst.

 

Trigger

Wenn uns etwas triggert, dann gab es einen Auslöser, der uns in den aktuellen emotionalen Zustand gebracht hat. Wir hören, spüren oder riechen etwas und schon sind wir gefühlt in einer Situation, die vorbei ist. Sie fühlt sich jedoch so an, als wäre es soeben geschehen. Häufig geschieht das, wenn dahinter eine Form von Trauma steht. Sei dies ein Schocktrauma, das durch einschneidende Erlebnisse oder Erfahrungen ausgelöst wurde, oder ein Entwicklungstrauma, das sich schon in unserer frühen Kindheit entwickelt hat.

 

Vorstellungskraft

Vorstellungskraft ist die Fähigkeit, sich gedanklich in etwas hineinzudenken. Wenn wir sie aktivieren, hat das im Gehirn ähnliche Auswirkungen, wie wenn etwas real geschehen würde. Diese Fähigkeit können wir in der Persönlichkeitsentwicklung nutzen, um uns gedanklich eine Vorstellung von einem gewünschten Zustand in der Zukunft zu machen. Damit aktivieren wir unser neuronales Netzwerk.

 

Veränderung

Wollen wir uns persönlich weiterentwickeln, dann gehört Veränderung wie selbstverständlich dazu. Veränderungen verlaufen häufig in verschiedenen Phasen, wie sie im folgenden Bild dargestellt werden. Um eine Veränderung erfolgreich zu bewältigen, müssen wir diese Stationen durchlaufen und in keiner stecken bleiben. Das geht bei einfachen Veränderungen manchmal blitzartig, kann aber bei einschneidenden Veränderungen ein längerer Prozess sein.

Nichts ist so beständig wie der Wandel“ Heraklit von Ephesus

Veränderungskurve

Veränderungskurve mit verschiedenen Stationen, die wir durchlaufen

 

Werte

Werte sind Grundüberzeugungen, die unsere Persönlichkeit stark prägen und beeinflussen. Viele haben wir unbewusst in unserer Kindheit übernommen. Egal, ob sie unbewusst oder uns bewusst sind, sie haben eine enorme Wirkung auf unser Denken, Fühlen und Handeln. Die eigenen Werte zu kennen, ist darum so wichtig, damit wir uns fragen können, ob sie mit unseren Entscheidungen und generell mit unserem Leben übereinstimmen. Wichtige Werte für mich sind z. B. Freude, Kreativität, Authentizität, bzw. echt sei, Lösungsorientierung und Freiheit.

Window of Tolerance

Das Fenster der Toleranz beschreibt die optimale Erregungszone, in der eine Person am besten funktioniert. Innerhalb dieses Fensters können wir unsere Emotionen gut regulieren und effektiv mit Stress umgehen. Wenn wir uns außerhalb dieses Fensters befinden, entweder in einem Zustand der Übererregung oder der Untererregung, fällt es uns schwer, klar zu denken und angemessen zu reagieren. Soweit die Beschreibung von Daniel Siegel, Professor für klinische Psychiatrie, der dieses Konzept in den 1990er-Jahren einführte.

Zwickmühle

Wir erleben eine Zwickmühle oder ein Dilemma vor allem dann, wenn uns zwei Dinge gleich wichtig sind, oder wir einen Loyalitätskonflikt haben. Wir möchten unsere Grenzen klar vertreten, aber gleichzeitig niemanden vor den Kopf stossen. In der Persönlichkeitsentwicklung geht es immer wieder darum, diese Ambivalenzen aufzudecken und zu schauen, wie sie im besten Fall aufgelöst oder wie wir mit ihnen umgehen können.

 

Ziele

Ziele geben uns Orientierung. Durch sie erkennen wir, in welche Richtung es in unserem Leben weitergehen kann und wo wir unsere Energie einsetzen wollen. Dabei unterscheide ich im Coaching und in der Beratung zwischen Zielen, die SMART (spezifisch, messbar, aktionsorientiert, realistisch, terminiert) benannt werden können und Motto-Zielen, die übergeordnet sind und eher wie ein Leuchtturm wirken. Bei letzteren können wir darauf achten, dass

  • wir Ziele autonom erreichen können,
  • sie mit unseren eigenen Wertvorstellungen übereinstimmen,
  • mindestens zu 70 % mit positiven Gefühlen besetzt sind
  • und zukunftsgerichtet sind.

 

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Vor- und Nachteile von Persönlichkeitsentwicklung