Es war spät am Abend, und eigentlich hätte ich längst schlafen sollen. Doch meine Gedanken kreisten wie wild. Immer wieder spielte ich die vergangenen Gespräche durch.
Entscheidungen waren getroffen, Rahmenbedingungen, in einem beruflichen Zusammenhang, der mir sehr am Herzen liegt, hatten sich verändert. Ich merkte, wie stark mich das innerlich beschäftigte. Ich wollte verstehen, vermitteln, klären. Doch irgendwann spürte ich, wie viel Energie mich das alles kostete. Ein ungutes Gefühl blieb zurück.
Etwas in mir wehrte sich gegen das, was entschieden worden war. Ich fragte mich: Soll ich mich fügen, obwohl es sich nicht stimmig anfühlt? Oder bleibe ich bei mir, auch wenn das unbequem wird? Ich tauschte mich mit anderen aus, rang mit mir, fühlte mich hin- und hergeworfen und suchte nach Klarheit. Und dann wurde mir bewusst: Ich will mir treu bleiben, auch dann, wenn es Mut kostet.
Diese Entscheidung war ein Wendepunkt. Sie hat mich daran erinnert, wie wichtig es ist, meiner inneren Stimme zu vertrauen, gerade dann, wenn äussere Umstände oder Erwartungen mich verunsichern.
Aus dieser Erfahrung heraus ist mein Jahresmotto für 2026 entstanden: «Ich bliib mir treu!»
Dieses Motto ist für mich weit mehr als ein schöner Satz. Es ist ein Leitsatz, der meine Haltung prägt, in der Beziehung zu mir selbst, zu anderen und in meinem beruflichen Engagement. Mir ist bewusst, dass es nicht immer leicht sein wird, diesem Motto gerecht zu werden. Doch ich bin überzeugt: Es stärkt meine Identität, vertieft Beziehungen und macht mein Wirken nachhaltiger.
Treue zu sich selbst klingt so einfach und ist doch manchmal das Mutigste, was wir tun können.
Esther Nogler
In diesem Artikel teile ich, was hinter meinem Motto steckt und wie es mein Leben und Arbeiten ganz konkret prägt.
Was dieser Leitsatz für mich 2026 bedeutet.
Wenn ich sage: «Ich bliib mir treu!», dann meine ich damit drei Dinge:
- Ich bleibe mir treu im Umgang mit mir selbst.
- Ich bleibe mir treu in meinen Beziehungen.
- Ich bleibe mir treu in meinem beruflichen Engagement.
In allen drei Bereichen fordert mich dieses Motto heraus und gleichzeitig erinnert es mich daran, was mir wirklich wichtig ist.
«Ich bliib mir treu!» – in Bezug auf mich selbst.
Sich treu zu bleiben, ist wohl ein Wunsch, den viele von uns haben. Was so leicht auszusprechen ist, hat in der Umsetzung allerdings oft einige Stolpersteine. Mir ist es jedoch sehr wichtig, denn wie wir mit uns selbst umgehen, hat einen entscheidenden Einfluss auf unser Business und unser ganzes Leben. Darum achte ich auf folgende Punkte:
- Ich lebe nach meinen Werten. Echt, integer und authentisch zu sein, ist mir wichtig. Genauso, wie mir Wertschätzung, Ermutigung, Freude und mein lösungsorientiertes Denken viel bedeuten – anderen gegenüber und mir selbst.
Meine 5 Top-Werte im Business habe ich hier beschrieben. - Ich vertrete eine klare Position, auch wenn es etwas kostet. Das bedeutet, dass ich bewusst entscheide und auf «Jeins» verzichte. Wenn ich Nein meine, dann stehe ich dazu und sage nicht Ja, wenn ich eigentlich Nein meine. Statt aus dem Autopilot heraus zu reagieren, halte ich inne, reflektiere und entscheide bewusst.
- Ich bin impathisch (d. h., ich gehe empathisch mit mir selbst um) und stärke meine Impathie.
- Ich stehe mutig zu meinen Möglichkeiten und Grenzen. Meine emotionalen, mentalen, physischen und seelischen Bedürfnisse nehme ich ernst und achte darauf, dass ich mich selbst nicht übergehe oder überfordere. Das bedeutet, dass ich mich auch klar abgrenze, wenn mir etwas schadet, und genauso mutig meine Möglichkeiten wahrnehme.
- Ich übe mich in radikaler Selbstannahme, auch wenn sich Selbstzweifel immer wieder mal melden.
Diese Punkte sind für mich wie ein Leuchtturm, der mir hilft, immer wieder zu mir zurückzufinden. Es ist keine Abhakliste, sondern ein Prozess.
«Ich bliib mir treu!» – in Bezug auf meine Beziehungen.
Wir sind soziale Wesen. Darum sind tragfähige Beziehungen etwas vom Wertvollsten, was wir haben: Menschen, die uns berühren, mit denen wir Momente von echter Verbundenheit erleben. Das bedeutet:
- Ich arbeite mit Menschen, die zu mir passen.
Darum entscheide ich bewusst, mit wem ich als Coach, Beraterin und Supervisorin zusammenarbeiten will. Wenn sie nicht zu mir passen, ziehe ich Konsequenzen, lehne einen Auftrag ab oder weise die Person an eine geeignete Stelle weiter. So habe ich auch letztes Jahr Aufträge abgelehnt, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht ein ganzes Ja hatte. - Ich arbeite mit Menschen, deren Werte zu mir passen.
Ich arbeite mit Menschen, deren Werte zu meinen passen. Wenn mir jemand nicht auf Augenhöhe begegnet oder andere beschämt, abwertet oder herablassend behandelt, spüre ich, dass das kein Umfeld ist, in dem ich mich entfalten kann. Deshalb grenze ich mich hier bewusst ab und sage Nein zu Zusammenarbeiten, die mir oder anderen nicht guttun. - Ich pflege mein berufliches Netzwerk bewusst. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen inspiriert mich. Wir unterstützen einander, geben Feedback und bringen uns weiter. Das gilt insbesondere bei Herausforderungen.
- Ich investiere in meine privaten Beziehungen.
Gute Beratungsbeziehungen sind mir sehr wichtig, allerdings machen meine privaten Beziehungen den grössten Teil meines Lebens aus. Mir treu zu sein, heisst, dass ich diesen auch im Jahr 2026 Raum und eine hohe Priorität gebe: der Beziehung zu meinem Mann, meiner Familie, Freunden und zu Gott. - Ich achte darauf, soziale Verbundenheit zu pflegen, ohne einen Social Overflow zu erleben.
Das ist und bleibt für mich ein Spannungsfeld, das ich beachten muss. Denn zwischen meinem Bedürfnis nach Kontaktpflege und meiner introvertierten Seite, die sich im Alleinsein erholt, erlebe ich oft einen Wertekonflikt. Das bedeutet für mich konkret: Ich besuche nur ausgewählte Netzwerktreffen oder öffentliche Anlässe.
Ich bin überzeugt: Echte Begegnung findet dort statt, wo wir uns zeigen, wie wir sind, mit unseren Stärken und Begrenzungen. Dort geschieht nicht nur Entwicklung, sondern manchmal auch ein Stück Heilung.
«Ich bliib mir treu!» – in Bezug auf mein berufliches Engagement.
Wo setze ich meine Energie, Zeit und Ressourcen ein? Diese Frage begleitet mich immer wieder, denn berufliches Engagement bedeutet für mich nicht, möglichst viel zu tun, sondern das Richtige. Darum richte ich meinen Fokus bewusst auf das, was mir sinnvoll erscheint und mit meinen Werten übereinstimmt:
- Ich fördere Weiterentwicklung.
Als Coach, Beraterin und Supervisorin unterstütze ich Menschen dabei, zu wachsen – persönlich und beruflich. Dafür schaffe ich bewusst Raum in meinem Kalender und biete Formate wie Reflect & Grow an. - Ich wähle neue Mandate sorgfältig aus.
Für dieses Jahr habe ich mich entschieden, mich als Supervisorin bei coachingplus zu engagieren. Dort begleite ich angehende Coaches im Zertifikatslehrgang und fördere ihre Professionalität. - Ich lasse los, was nicht mehr ganz passt.
Dieser Punkt kann sehr herausfordernd sein, denn manchmal geschieht er freiwillig und manchmal wird er von den Umständen diktiert. Wie ich es bei meinem Mandat als Prüfungsexpertin für die höhere Fachprüfung anfangs Jahr erlebt habe. Ich musste mich entscheiden, ob ich weiterhin Prüfungsexpertin HFP Beratung bleibe oder Prüfungsvorbereitungen für die HFP Beratung mache. Beides mache ich sehr gerne, darum ist es mir nicht leicht gefallen, aber ich habe mich entschieden, den Schwerpunkt auf die Unterstützung bei den Prüfungsvorbereitungen zu legen. - Ich achte auf meine Energie und meine Psychohygiene.
Damit ich langfristig brennen kann, ohne auszubrennen, gönne ich mir genügend Pausen. Gleichzeitig lasse ich mich nicht von aussen unter Druck setzen, was ich anbieten soll oder nicht, sondern bleibe mir treu in meinen Überzeugungen.
Meine 15 Leitsätze für echte Weiterentwicklung in Beratung und Coaching sind dabei mein Kompass. Sie helfen mir, klar zu werden, was ich tue und was ich sein lasse. Manchmal heisst es, dass ich mit mir selbst ringen muss, um zu mir zu stehen, mir gegenüber ehrlich zu sein und keine falschen Kompromisse einzugehen.
«Ich bliib mir treu!» – jedes Motto hat einen Preis.
Mir treu zu bleiben, kling schön, aber es fordert mich immer wieder heraus. Denn jedes Motto, das echt gelebt wird, hat seinen Preis.
- Es kostet Mut, zu seinen Überzeugungen und seiner Meinung zu stehen, auch wenn man damit alleine ist oder nicht immer verstanden wird.
- Es braucht Biss, dranzubleiben, wenn es schwierig wird, und nicht sofort aufzugeben, sondern wieder Mut zu finden, wenn es nicht geklappt hat.
- Manchmal muss man sich seinen Ängsten stellen und sich nicht von ihnen bestimmen lassen.
- Und oft bedeutet es, loszulassen.
Denn wenn wir uns für etwas entscheiden, bedeutet es gleichzeitig, dass wir uns gegen etwas anderes entscheiden.
Trotz all dem bin ich überzeugt: Es lohnt sich. Denn der Lohn ist innere Gelassenheit, Zufriedenheit und Sinnerfüllung und das Gefühl, im Einklang mit mir selbst zu sein.
Vielleicht ist dieses Motto auch etwas für dich
Vielleicht spürst du beim Lesen, dass dieses Motto auch dich begleiten könnte.
Wenn du magst, erzähle ich dir in meinem Impulsletter immer wieder, wie ich «Ich bliib mir treu!» im Alltag lebe und wie du selbst wachsen und aufblühen kannst. Hier kannst du dich anmelden.


ist Life Coach, psychosoziale Beraterin HFP, Supervisorin und Mutmacherin aus Wettswil am Albis (Schweiz).
Seit über 30 Jahren begleitet sie Frauen und Fachpersonen im Bereich Coaching und psychosozialer Beratung dabei, ihr Leben und ihre Arbeit mutig, klar und echt zu gestalten – sei es in der Persönlichkeitsentwicklung, bei einer Neuorientierung oder in der beruflichen Weiterentwicklung. Sie liebt es, wenn Augen zu leuchten beginnen und Klarheit entsteht. Ihr Ansatz ist kreativ, integrativ und geprägt von Herzlichkeit und Tiefgang.
«Gschtalt dis Läbe! Muetig, ächt und lebändig.»
Mehr über mich erfährst du hier!

Liebe Esther
Ich finde das Motto mega
Und ja es ist nicht immer einfach, sich selbst treu zu bleiben, in jeder Situation.
Mir gefällt auch wie du es eingeteilt hast plus diesem zarten Magentaton im Text. Tatsächlich geht’s mir wie Judith, wie geht die Geschichte weiter? Wie endet sie?
Liebe Laila, danke für deine Rückmeldung. Es freut mich, dass dir meine Farbgestaltung auch gefällt. Unterdessen habe ich noch etwas mehr offengelegt. Noch mehr teile ich jeweils in meinem Impulsletter.
Liebe Grüsse, Esther