Der September 2025 war ein Monat voller Höhen und Tiefen: Einerseits ging es um die Weiterentwicklung von psychosozialen Beraterinnen und Beratern, andererseits um den Abschied von meiner Mutter. Dazu kamen bewegende Begegnungen, inspirierende Momente am Frauenwochenende und schliesslich auch erholsame Tage in Südfrankreich. In diesem Rückblick erzähle ich dir, was mich bewegt, gefordert und erfreut hat.

Als Prüfungsexpertin HFP im Einsatz

Die Kandidatinnen und Kandidaten bereiten sich fleissig vor und fiebern oft schon Monate vorher auf diese Zeit hin. Im September war es wieder so weit: Die eidgenössischen Prüfungen, für die Höhere Fachprüfung (HFP) fanden wieder statt. Es ist eine kompetenzorientierte Prüfung für Beraterinnen und Berater im psychosozialen Bereich, die schon über einige Jahre reflektierte Beratungserfahrung verfügen.

Auch dieses Jahr habe ich ganz unterschiedliche Beratungskonzepte geprüft, mündliche Prüfungen abgenommen und meine Einschätzungen anhand eines Rasters vorgenommen. Besonders spannend ist dabei, die unterschiedlichen Beraterinnen und Berater kennenzulernen und mitzuerleben, wie sie ihre Kompetenz zeigen.

Da ich auch dieses Jahr einigen psychosozialen Beraterinnen geholfen habe, sich auf diese Prüfung vorzubereiten, weiss ich, was für ein enormer Aufwand dahintersteckt und welche Entwicklung die Kandidatinnen auf diesem Weg durchlaufen.

Unterdessen bin ich schon mehr als 10 Jahre als Prüfungsexpertin tätig, und es wurde mir bewusst, dass auch meine Expertise für diese Arbeit gewachsen ist und ich unterdessen auf meinem Blog einige Artikel für diese Zielgruppe geschrieben habe. Hier kannst du stöbern:

Abschied von Mami

Eine sehr emotionale Zeit liegt hinter mir. Die letzten Monate, Wochen und Tage, in denen ich wusste, dass Mami bald sterben würde, waren eine echte Gefühls-Achterbahn. Es fühlte sich an, als würden immer wieder Wellen über mich hereinbrechen.

Ich erinnere mich an eine Szene aus meiner Kindheit:

Ich war etwa sieben Jahre alt, wir waren in den Ferien am Meer und spielten ausgelassen in den Wellen. Plötzlich brach eine Welle über mir zusammen. Ich verlor den Boden unter den Füssen, wusste nicht mehr, wo oben und unten war, wurde herumgewirbelt – bis ich endlich wieder auftauchen konnte. Genauso ging es mir jetzt beim Abschiednehmen.

Heute weiss ich: Diese emotionalen Wellen sind nicht nur unvermeidbar – sie sind auch hilfreich. Denn alle Emotionen haben ihren Sinn und ihren Nutzen. Trotzdem war ich herausgefordert, in dieser Zeit gut für mich zu sorgen, auch wenn es nicht immer leicht war. Es wurde mir bewusst, dass gute Selbstfürsorge in solchen Momenten bedeutet, Gefühle zuzulassen, auch wenn sie schwer sind, statt sie zu verdrängen.

Erst noch vor ein paar Wochen konnte meine Mami zusammen mit uns fünf Kindern und Familien, Enkelkindern und ihren 28 – ja, genau, achtundzwanzig – Urenkeln ihr Geburtstagsfest feiern. Das hatte sie sich sehnlichst gewünscht, und wir bibberten mit ihr, ob sie es gesundheitlich noch schaffen würden. Aber sie hat es geschafft und es wurde zu einem Freudenfest, auch wenn sie von der Krankheit gezeichnet war.

Grosse Familie an einer 90.igsten Geburtstagsfeier

Die ganze Familie feierte den 90sten Geburtstag von Mami

 

Kurze Zeit später hat Mami ihr Ziel erreicht und lebt dort weiter, wo sie hinwollte. Sie war bereit zu sterben, hat sich auf den Himmel, auf die Gemeinschaft mit Gott gefreut, und trotzdem hinterlässt sie hier eine grosse Lücke. Zu realisieren, dass ich sie nie mehr anrufen, mich mit ihr nie mehr austauschen oder sie mich mit ihren Gebeten begleiten kann, das tut weh. Auch wenn ich es ihr von Herzen gönne, dass sie in einer neuen, heilen Welt angekommen ist.

Florale Trauerfloristik Bogen mit Sonnenblumen

Diese Trauerfloristik ist meine letzte Dekoration, die ich für sie gemacht habe.

 

Noch einmal schaue ich auf die florale Dekoration, die ich für die Gedenkfeier gestalten durfte. Ich habe ihr den Titel gegeben: «De Säge flüsst wiiter».

Genau das hat ihr Leben geprägt: Sie fühlte sich gesegnet und ihre Freude, Dankbarkeit und ihr aufrichtiges Interesse für Menschen waren ein Segen für andere. Das wurde spürbar, als so viele von uns, ihre fünf Kinder mit Partnerinnen und Partnern, ihre Enkel- und Urenkelkinder, Familie und Freunde, an der Gedenkfeier zusammenkamen und sich daran erinnerten, was wir ihr alles verdanken.

«De Säge flüsst wiiter» und doch musste ich, mussten wir loslassen. Diese Tatsache hat meine Schwester, Gisela Schmidli, in einem Gedicht wunderbar auf den Punkt gebracht. Sie konnte es Mami noch kurz vor dem Sterben vorlesen.

Loslassen: Gedicht zum Abschied meiner Mutter von Gisi

Das Leben loslassen
Zurücklassen, was vertraut ist.
Die Reise in eine neue Welt antreten.
An einen Ort, den du nur aus der Bibel kennst.

Loslassen auch dann, wenn es schmerzt,
wenn Angst dich lähmt,
dich in Gottes Hand fallen lassen.
Loslassen, weil du siehst, dass die, die du zurücklässt, traurig sind.

Loslassen mit der Gewissheit, dass Gott
für die sorgt, die auf der Erde zurückbleiben.

Zum Ziel deines Glaubens aufbrechen,
weil du Versöhnung mit Gott erlebt hast.
Loslassen, weil du das Sterben nicht umgehen kannst.

Loslassen, eintauchen
und dann in der anderen Welt,
erlöst und befreit aufwachen.

Am Ziel angekommen.
Bei Gott im Himmel sein
eine ganze Ewigkeit lang …

Referentin zum Thema Selbstannahme am Frauenwochenende

Ein besonderer Höhepunkt in diesem Monat war für mich das Frauenwochenende der Viva-Kirche Affoltern am Albis. Knapp fünfzig Frauen aus verschiedenen Generationen waren bei wunderschönem Wetter am Walensee dabei. Wir haben gemeinsam über die christliche Perspektive zu Selbstannahme, Selbstzweifel, Gottes Ja und Mut nachgedacht.

Mich hat tief berührt, wie ehrlich und offen die Gespräche waren. Wir haben uns Fragen gestellt wie: Bin ich genug? Darf ich radikal Ja zu mir sagen? Und wir haben entdeckt, dass Selbstannahme nicht bei uns selbst beginnt, sondern bei Gott, bei seinem klaren, bedingungslosen Ja zu uns. Wir haben angeschaut, warum es uns schwerfällt und was uns hilft, uns hundertprozentig anzunehmen.

Besonders wertvoll war für mich zu sehen, wie diese Botschaft in das Leben der Frauen hineinsprechen durfte. Viele haben gespürt: Selbstannahme gibt Freiheit, macht beziehungsfähiger und lässt uns unsere Gaben mutiger einsetzen. Für mich war es ein Vorrecht, Impulse weiterzugeben.

Gleichzeitig realisierte ich, wie wichtig es war, zu mir selbst zu stehen. Es war mir wichtig, zu einem meiner wichtigsten Werte, echt und authentisch zu sein, zu stehen und darum auch meine momentane emotionale Verletzlichkeit zu akzeptieren. Da meine Mami erst kurz vorher gestorben war, benötigte ich mehr Freiraum zwischen den Referaten. Darum gönnte ich mir ganz bewusst Momente nur für mich allein, um zu trauern und innerlich zur Ruhe zu kommen, damit ich mich nachher wieder voll auf meine Zuhörerinnen einlassen konnte.

Selbstannahme, Referentin an Frauenwochenende

Ferien in Südfrankreich

Nach den intensiven und belastenden Ereignissen rund um den Todesfall meiner geliebten Mutter, freute ich mich riesig, auf die Ferien mit meinem Mann zusammen in Südfrankreich. Ich wünschte mir, in einer Wohnung zu sein, in der ich einen wunderbaren Blick auf das Meer haben würde. Ich wurde nicht enttäuscht. Die Wohnung war traumhaft gelegen und vom kleinen Balkon aus hatte ich eine wunderbare Aussicht auf das Meer.

Blick von Balkon auf Meer

Ein herrlicher Ausblick vom Balkon aus

Dieser Ort war ideal, um mich zu erholen und wieder Energie aufzutanken. Der Blick in die Weite lenkte auch meinen Blick weg von dem Alltag und war beruhigend. Ich liebte es, am Morgen den Sonnenaufgang zu beobachten, später das Glitzern auf der Meeresoberfläche zu sehen und sogar in das gefühlt eiskalte Meer hineinzugehen.

Auch wenn ich immer noch mit dem Verarbeiten meiner Trauer beschäftigt war, gab es hier so viel Schönes, an dem ich mich freuen konnte. Suchst du auch Ideen für mehr Lebensfreude? Dann findest du sie hier.

Unterwegs auf einer E-Bike-Tour bin ich auf eine mir unbekannte Bodendeckerpflanze gestossen. Möglicherweise Salicornia, sie wächst an sandigen Küsten. Ich wusste gar nicht, dass man die sogenannten Meeresspargel sogar essen kann. Mich hat die Pflanze inspiriert, ein Kränzchen zu winden und mit diesem floralen Werkstück unsere Ferienwohnung zu verschönern. Sobald ich etwas Florales gestalten kann, fühle ich mich besonders lebendig.

Kranz aus grünen Pflanzen

Mein Kränzchen aus den Bodendeckerpflanzen ist entstanden.

 

Was im September 2025 sonst noch los war

  • Geburtstagsfeiern: Nicht nur eine Feier, gleich mehrere Male durften mein Mann und ich mitfeiern. Einerseits die 80. Geburtstagsfeier meines Schwagers, dann die 40er-Party meines Schwiegersohns und schliesslich mein eigener Geburtstag. Letzterer fiel auf die Woche, in der ich als Prüfungsexpertin engagiert war, und ich konnte ihn mit einer lieben Freundin feiern.

    zwei Frauen beim Essen, sitzen sich gegenüber

    Feiern mit meiner Freundin und Prüfungsexpertin Regula Lutz.

  • Kulinarisches Geschmackserlebnis: Eine richtige Geschmacksexplosion erlebten wir bei einem feinen Essen mit unserem Sohn und unserer Schwiegertochter. Es war ein einmaliges Erlebnis und ich genoss nicht nur die feinen Rezepturen, sondern auch die Ästhetik, wie die verschiedenen Gänge serviert wurden. Jeder Gang war wie ein kleines Kunstwerk. Einfach herrlich.

    Brötchen mit speziellem Aufstrich

    Jeder Gang eine Augenweide

  • Loslassen und Abschluss feiern: Viele Jahre habe ich als Supervisorin mit meiner Freundin den Selbsterfahrungskurs BRS6 für angehende Seelsorgerinnen und psychosoziale Beraterinnen und Berater von bcb begleitet. Diese Zusammenarbeit endete nun und wir haben es bei einem feinen Essen gewürdigt und uns gemeinsam an die tollen Erfahrungen erinnert.

Was ich im September 2025 gebloggt habe

Die 111+ besten Reflexionsfragen für Psychosoziale Beraterinnen

 

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