1. Nutze die ganze Bandbreite von Emotionen.
Hoch lebe die Emodiversität. Emotionen und Gefühle sind in der Beratung nicht nur geduldet, sie sind erwünscht. Und zwar alle, in jeder Schattierung, Sowohl unangenehme als auch angenehme Emotionen haben ihren Platz. Es darf geweint und gelacht werden. Da wir Menschen immer auch emotional denken, lohnt es sich, Emotionen wahrzunehmen, wertzuschätzen und sie als wertvolle Informationsquellen und Energielieferanten zu nutzen. Im Wissen, dass hinter jedem Gefühl ein Bedürfnis steckt, auch wenn dieses bisher noch nicht erkannt wurde.
2. Vertrau auf reflektierte Erfahrung – sie ist der stärkste Hebel für Weiterentwicklung.
Unsere gefühlte Realität (und die unserer Klient:innen) ist immer konstruiert, darum hinterfrage sie ruhig. Deine Wahrnehmung ist nicht dieselbe wie die deiner Kund:innen. Jede Person hat ihre eigene «Brille», mit der sie auf die Welt schaut. Unser Gehirn zieht aus diesem Erleben automatisch Rückschlüsse für die Zukunft. Darum ist die Reflexion über diese Prozesse der wirkungsvollste Hebel, um zu wachsen und neue, wertvolle Erkenntnisse für den Alltag zu gewinnen.
3. Lebe echte, wertschätzende Beratungsbeziehungen.
Der grösste Wirkfaktor in Supervision, Coaching und psychosozialer Beratung ist die Beratungsbeziehung. Als soziale Wesen entwickeln wir uns dann am besten weiter, wenn wir uns verbunden fühlen, echt und authentisch sein dürfen und Vertrauen ins Gegenüber haben. Bewege dich darum immer im Wertschätzungsraum und schaffe damit Vertrauen und Sicherheit.
4. Hilf, Nägel mit Köpfen zu machen und stärke den Mutmuskel.
Erkenntnisse sind gut, aber erst, wenn Menschen sie in ihren individuellen Alltag umsetzen, bringen sie echten Mehrwert. Erarbeite darum gangbare, klare Lösungsschritte, die nicht nur in der Theorie funktionieren, sondern genau da starten, wo sie aktuell sind. Wenn der Mut fehlt, kläre die Gründe und finde heraus, wie du wieder Mut findest, wenn es nicht geklappt hat.
5. Finde heraus, was für deine Kund:innen wirklich, wirklich zählt.
Arbeite werteorientiert. Entdecke die Werte deiner Kund:innen. Finde heraus, welche für sie sinnerfüllend sind und von welchen sie sich verabschieden wollen, weil sie ihnen einst übergestülpt wurden und heute nicht mehr passen. Denn Menschen, die wissen, warum sie machen, was sie machen, sind mental gesünder, können sich leichter weiterentwickeln und sind zufriedener.
6. Bring auch schwierige Themen auf den Tisch.
Gestalte als Beraterin einen Raum zum ECHT SEIN. Ein Ort, an dem Kund:innen ihre Masken an der Garderobe abgeben können und offen teilen und ehrlich aussprechen, was sie beschäftigt, ohne dass sie dafür abgewertet oder beurteilt werden. Nimm es erst mal WAHR, ohne zu urteilen und abzuwerten. Was ist, darf sein. Denn erst wenn wir erkennen und akzeptieren, was da ist, können wir überlegen, wie wir damit umgehen.
7. Bewege dich in der Lern- und Entwicklungszone – nicht in der Panikzone.
Unser Gehirn liebt es, zu lernen. Alles, was lebt, darf wachsen und sich weiterentwickeln. Es geht nicht um Selbstoptimierung, vielmehr ist unser Gehirn dann am glücklichsten, wenn es in der Lern- und Entwicklungszone ist (Achtung: nicht in der Panikzone!). Allerdings erfordert das immer wieder Mut. Schau in der Beratung genau und ehrlich hin: Was blockiert die Entwicklung und was fördert sie?
8. Richte deinen Blick auf Ressourcen und denke in Möglichkeiten.
Willkommen im Ressourcen-Raum! Jeder Mensch hat eine einzigartige Kombination aus Fähigkeiten, Möglichkeiten und Grenzen. Manchmal sind sie versteckt, aber als Lösungsforscher:in kannst du sie aufspüren und neugierig erkunden. Suche gemeinsam Lösungen, statt in eine Problemhypnose zu verfallen. Erst wenn Menschen Selbstverantwortung übernehmen, kommt wirklich etwas in Bewegung. Dabei ist Selbstannahme eine gute Basis, um Entwicklung zu fördern. Aber auch Selbstzweifel dürfen sein und können als wertvolle Informationsquelle genutzt werden. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, dass Menschen lernen, immer besser Ja zu sich, zu ihren Möglichkeiten und zu ihren Grenzen zu sagen.
9. Sei glasklar in deiner Auftragsklärung.
Eine Beratung, sei es eine Supervision, ein Coaching oder eine psychosoziale Beratung basiert auf klaren Vereinbarungen und verzichtet auf falsche, unrealistische Versprechen. Sorge dafür, dass alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einlassen. Kläre zuerst, welche Rahmenbedingungen (wie Zeiten, Investition, Ort, Freiwilligkeit, Vertraulichkeit) gelten. Definiere ein Beratungsziel, an dem ihr euch im Prozess orientieren könnt.
10. Sei kreativ und überprüfe gelegentlich deinen Methodenkoffer.
Erkenntnisse gewinnen wir längst nicht nur über Kognitionen. Menschen haben eine unglaubliche Fähigkeit, aus einer Metaperspektive heraus ihr Denken, Fühlen und Handeln zu reflektieren. Darum nutze Methoden und Interventionen, die zum Auftrag und zum Beratungsprozess passen. Seien es Impact-Techniken oder Kreativität in der Beratung: Alles soll nachhaltige Veränderung ermöglichen, helfen, aus gewohnten Denkbahnen auszubrechen, Neues zu entdecken und auf das gemeinsam festgelegte Ziel hinzugehen.
11. Bring Dinge auf den Punkt.
Willkommen im Klärungs-Raum! Oft sind die wesentlichen Themen zwischen den Zeilen zu finden. Darum sprich mutig Themen an, die unausgesprochen im Raum liegen. Schaffe immer wieder Klarheit, damit ihr aus dem Nebel herauskommt. Das ist oft eine Suche und ein Prozess, aber wenn die Nebeldecke durchdrungen ist, ist plötzlich eine klare Sicht möglich und eine ganz neue Perspektive kann sich auftun.
12. Bleib am Ball und nutze neue wissenschaftliche Erkenntnisse.
Nutze Erkenntnisse aus verschiedenen Schulen und beziehe neue Forschung mit ein. Seien es neue Einsichten und Forschungsresultate aus der Hirnforschung, der Emotionsforschung oder einer bestimmten Theorierichtung. Integriere sie in deinen Beratungsalltag.
13. Mache Kompetenz sichtbar, feiere Erfolge und ermögliche «Augenstrahlmomente».
Feiere Erfolge, auch wenn sie noch so klein sind. Lerne, sie im Prozess immer besser zu registrieren und zu würdigen. Mach dazu Unterschiede sichtbar und vergleiche deine Entwicklung in Bezug auf dich selbst, anstatt voller Neid auf andere zu schauen. Freue dich mit allen, die erfolgreich ihre Kompetenz sichtbar gemacht haben – zum Beispiel an der HFP (Höhere Fachprüfung).
14. Schau unter die Oberfläche. Erkenne Muster aus der eigenen Geschichte und schreibe ein neues Kapitel.
Oft greift es viel zu kurz, wenn wir isoliert am Verhalten etwas verändern wollen. Darum schaue tiefer und erkenne Muster, die heute noch prägen. Sei dir bewusst, dass all das, was Menschen bisher erlebt haben, zu ihrer Geschichte gehört und seine Berechtigung hat(te). Würdige dies und prüfe dann, ob es immer noch hilfreich ist. Erkunde die Muster, die daraus entstanden sind, um dann ein neues Kapitel zu schreiben. Berücksichtige dabei, dass alles dazugehört und mitbeeinflusst: Denken, Fühlen, Glauben, Handeln und das ganze Umfeld.
15. Achte auf gute Selbstfürsorge und Abgrenzung.
Sei dir bewusst, dass für eine gute Selbstfürsorge jeder Mensch selbst verantwortlich ist. Das gilt für alle Menschen, insbesondere für alle, die mit Menschen unterwegs sind. Du benötigst beides, sowohl Empathie, die Fähigkeit, dich in andere einzufühlen, als auch Impathie, die Fähigkeit, dich in dich selbst einzufühlen. Im Artikel «Warum Empathie allein oft nicht ausreicht und wir Impathie brauchen» gehe ich darauf ein. Stärke bewusst deine Impathie, schütze deine Grenzen und sorge aktiv dafür, dass du nicht ausbrennst.
Welcher Leitsatz spricht dich besonders an?
Wenn du diese 15 Leitsätze nicht nur lesen, sondern auch persönlich oder in deine Beratungsarbeit integrieren willst, ist «Reflect & Grow» für dich: eine praxisnahe Weiterentwicklung für psychosoziale Berater:innen und Coachs, die Klarheit, Tiefe und Umsetzungsstärke verbindet. Lass uns im Kennenlern-Call klären, wo du stehst, was du dir wünschst und ob es wirklich passt.

ist Life Coach, psychosoziale Beraterin HFP, Supervisorin und Mutmacherin aus Wettswil am Albis (Schweiz).
Seit über 30 Jahren begleitet sie Frauen und Fachpersonen im Bereich Coaching und psychosozialer Beratung dabei, ihr Leben und ihre Arbeit mutig, klar und echt zu gestalten – sei es in der Persönlichkeitsentwicklung, bei einer Neuorientierung oder in der beruflichen Weiterentwicklung. Sie liebt es, wenn Augen zu leuchten beginnen und Klarheit entsteht. Ihr Ansatz ist kreativ, integrativ und geprägt von Herzlichkeit und Tiefgang.
«Gschtalt dis Läbe! Muetig, ächt und lebändig.»
Mehr über mich erfährst du hier!

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